Du hast deine Lesung geplant. Vielleicht steht sie schon in deinem Insta-Feed, vielleicht hast du sogar eine Veranstaltung auf Facebook erstellt. Aber Hand aufs Herz: Wer außerhalb deiner Bubble weiß davon?
Was viele unterschätzen: Die Lokalpresse ist ein gigantischer Hebel für Sichtbarkeit. Sie erreicht Menschen, die nicht auf Bookstagram scrollen. Menschen, die spontan sagen: „Oh, da ist eine Lesung in dem Café, das ich mag , da geh ich hin.“
Und das Beste: Du brauchst kein Marketingbudget, keine Agentur und kein Netzwerk. Du brauchst nur diesen Beitrag und die Entscheidung, dich zu zeigen.
Versteh, warum du ein Geschenk machst, keine Bitte
Viele Autor:innen schrecken zurück, wenn es um Pressearbeit geht. Sie denken: „Wen interessiert das denn?“ oder „Ich will mich nicht aufdrängen.“
Aber hier ist der erste Perspektivwechsel: Du hilfst der Redaktion. Lokale Redaktionen suchen täglich nach neuen Inhalten. Sie leben von spannenden Geschichten, persönlichen Perspektiven und kulturellen Terminen. Eine Lesung mit Herz, ein Debütroman, ein ungewöhnlicher Veranstaltungsort, das ist genau das, was sie brauchen.
Merksatz: Du bietest der Redaktion Inhalt. Kein Werbepaket.
Du willst das Marketing für deine Lesungen optimieren, dann lies unsere Beiträge Was passiert eigentlich, wenn man keine Werbung für die Lesung macht? und Timing ist alles: Die beste Promo-Zeit für deine Lesung. Wann du was posten solltest.
Finde die richtigen Redaktionen
Wenn du „die Zeitung“ hörst, denkst du vielleicht an ein großes, anonymes Redaktionshaus mit Dutzenden Abteilungen. Aber: Die meisten Lokalredaktionen sind kleine Teams mit klaren Zuständigkeiten und genau das ist deine Chance.
Das sind die Medien, die für dich interessant sind:
- Tageszeitungen (z. B. Rheinische Post, Märkische Allgemeine, etc.)
- Wochenzeitungen und Anzeigenblätter (z. B. Stadt-Anzeiger, Blickpunkt)
- Stadtmagazine und Kulturportale (z. B. Stadtkind, tip Berlin, Szene Hamburg)
- Online-Plattformen und Veranstaltungskalender (z. B. kulturnews.de, lokale Webseiten wie meinestadt.de)
So findest du die passende Ansprechperson:
- Such auf der Website nach dem Impressum oder dem Kontaktbereich.
Stichworte: Kulturredaktion, Veranstaltungen, Feuilleton, Kulturtermine
Alternativ: allgemeine Mailadresse wie kultur@zeitungxy.de oder redaktion@wochenblatt-xy.de nutzen - Gib deine Stadt und Kulturredaktion bei Google ein.
Beispiel: Kulturredaktion Dortmund Presse oder Lesung melden Hamburg Stadtmagazin - Nutze Veranstaltungskalender oder Kulturbüros deiner Stadt.
Viele Städte bieten zentrale Kulturplattformen – z. B. Kultur in Leipzig, Kultur Bremen, Stuttgart liest, etc.
Tipp: Auch die Pressestelle von Stadtbibliotheken ist oft offen für solche Hinweise.
Profi-Tipp: Erstell dir eine kleine Presse-Kontaktliste für deine Region, so musst du beim nächsten Mal nicht wieder bei null anfangen.
Schreib deine Presseinfo ohne PR-Blabla
Viele schrecken davor zurück, weil sie denken, sie müssten jetzt wie ein PR-Profi klingen.
Die gute Nachricht: Redaktionen wollen keine Hochglanz-Werbung, sie wollen Informationen, die sie leicht verarbeiten können. Stell dir vor, du gibst der Redaktion genau das, was sie brauchen, um deinen Text mit wenigen Klicks zu übernehmen.
Was deine Presseinfo enthalten sollte:
1. Wer bist du?
- 1–2 Sätze über dich: Ich bin XY, Autor:in aus [Ort], und veröffentliche seit [Jahr] Bücher im Bereich [Genre].
- Optional: Ein persönlicher Bezug zur Stadt/Region oder zur Location deiner Lesung
2. Was passiert?
- Kurz und konkret: Am [Datum] um [Uhrzeit] lese ich aus meinem aktuellen Roman [Titel] im [Ort, Adresse].
- Optional: Ist Eintritt frei? Gibt es Anmeldung? Wie lange dauert die Lesung?
3. Warum ist das interessant für Leser:innen?
- Hat das Buch lokalen Bezug?
- Bist du Debütautor:in oder preisgekrönt?
- Ist die Location besonders?
- Gibt es ein spannendes Thema, das viele anspricht?
Beispiel: Das Buch erzählt die Geschichte einer Frau, die ihre Kindheit in einem ostwestfälischen Dorf verarbeitet. Inspiriert von realen Orten aus [Stadt XY].
4. Was braucht die Redaktion noch?
- Ein hochauflösendes Foto (z. B. Porträt oder Lesungsbild)
- Optional ein Zitat von dir, das Emotion oder Haltung zeigt (z. B. „Lesungen sind für mich wie Wohnzimmer-Gespräche mit Fremden. Genau das liebe ich.)
Wie sieht so eine Mail aus?
Betreff: Lesungsankündigung: [Name] liest am [Datum] in [Ort]
Liebe Kulturredaktion,
ich möchte Ihnen gerne einen Veranstaltungshinweis für Ihre Termine/den Kulturteil schicken:
Am [Datum] lese ich aus meinem Roman [Titel] im [Veranstaltungsort]. Die Lesung beginnt um [Uhrzeit] und der Eintritt ist [frei/XY Euro].
Ich bin Autor:in aus [Ort] und veröffentliche seit [Jahr] Bücher im Genre [Genre]. Das Buch hat einen starken Bezug zur Region und beschäftigt sich mit Themen wie [XY].
Anbei finden Sie ein Foto von mir zur freien Verwendung sowie ein kurzes Zitat:
„[Zitat]“
Ich freue mich sehr über eine Erwähnung – und stehe für Rückfragen gern zur Verfügung.
Herzliche Grüße
[Name + Kontakt]Presseinfos: Timing, Format und Follow-up
Der richtige Zeitpunkt: Nicht zu früh, nicht zu spät
- Für Printmedien:
10–14 Tage vor dem Event ist ideal
Wöchentliche Zeitungen und Stadtmagazine brauchen mehr Vorlauf, oft sogar 2–3 Wochen
Achte auf Redaktionsschluss (steht oft im Impressum) - Für Online-Redaktionen oder Veranstaltungskalender:
5–7 Tage vorher reicht oft, manche tragen es sogar kurzfristig ein
Hier lohnt sich auch ein Reminder kurz vor dem Event (siehe Follow-up unten)
Format: Keep it simple
- Schicke deine Info als E-Mail, kein PDF-Anhang
- Betreffzeile: klar und informativ: z. B. Veranstaltungstipp: Lesung mit XY am 18. Mai in Darmstadt
- Fotos:
– 1 Bild als Anhang (.jpg oder .png)
– Querformat ist für Print/Online oft besser
– Wenn du willst: Ein zweites Bild mit Buchcover
Was tun, wenn du keine Rückmeldung bekommst?
Keine Panik, das ist normal. Viele Redaktionen antworten nur, wenn sie konkret etwas von dir brauchen. Aber: Nachfassen ist erlaubt und oft der Schlüssel.
So kannst du nachhaken (ca. 5 Tage nach dem ersten Versand):
Betreff: Nachfrage zur Lesungsankündigung vom [Datum]
Liebe Redaktion,
ich wollte nur kurz nachfragen, ob meine Veranstaltungshinweise zur Lesung am [Datum] in [Ort] angekommen sind. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Info in Ihren Veranstaltungskalender oder Kulturteil aufnehmen könnten.
Herzlichen Dank und viele Grüße
[Dein Name]Extra-Tipp:
Auch kleinere Erwähnungen lohnen sich. Oft gibt’s nur einen kleinen Hinweis in der Rubrik Kulturtipps oder Was läuft am Wochenende? Aber genau die werden gelesen.
Was du tust, wenn’s klappt – und wenn nicht
Fall 1: Deine Lesung wurde angekündigt. Glückwunsch!
Du hast’s geschafft: Dein Name steht in der Zeitung oder im Kulturteil. Jetzt beginnt die zweite Runde: Sichtbarkeit und Beziehungspflege.
So nutzt du den Artikel weiter:
- Screenshot oder Foto machen (online und ggf. vom Printartikel)
- Verlinken und teilen auf Social Media
„Heute in der Zeitung: Meine Lesung am Samstag. Ich freu mich riesig!“ - In deine Pressemappe übernehmen (für spätere Lesungsbewerbungen)
- Dem Redakteur/der Redakteurin danken
Ein kurzer Satz per Mail reicht: „Vielen Dank für die schöne Erwähnung im Kulturteil. Das bedeutet mir viel.“
Warum das wichtig ist?
Weil du so eine Beziehung aufbaust und beim nächsten Mal nicht mehr fremd bist, sondern: „die Autorin vom letzten Mal“.
Fall 2: Keine Reaktion. Kein Artikel. Was nun?
Erstens: Du hast nichts falsch gemacht. Redaktionen sind überlastet, manche Themen gehen unter, manche Tage sind voll.
Das kannst du trotzdem tun:
- Versuche es beim nächsten Mal erneut.
Viele Artikel entstehen beim 2. oder 3. Versuch, nicht beim ersten. - Analysiere deinen Pitch:
War er lokal genug?
Gab es einen interessanten Aufhänger?
War der Text zu lang oder unklar? - Hol dir Feedback:
Frage Kolleg:innen, ob du ihnen deine Mail zeigen darfst
Langfristig gilt: Pressearbeit ist Beziehungspflege, kein Einweg-Werbeschild.
Wenn du dich regelmäßig meldest, gute Inhalte anbietest und höflich bleibst, wirst du aufgebaut wie ein Name vor Ort. Und je öfter du auftauchst, desto mehr wirst du eingeladen und empfohlen.
Du willst mehr Tipps für deine erste Lesung oder einfach nicht allein planen? Auf Autor sucht Couch bist du genau richtig: Wir machen dich sichtbar. Echt. Lokal. Lesbar.
